Fränkischer Rechen - Wappen Fürstentum Bamberg, Königreich Bayern, Freistaat Bayern - Pottenstein vor 1900

Im Jahr 2000, am Ende des zweiten Jahrtausends, soll diese Arbeit einen kurzen chronologischen Millenniums-Rückblick auf die Geschehnisse im Gebiet der Stadt Pottenstein geben.

Jürgen Wächter, 91278 Pottenstein - 2000/2012


Stadtwappen

1000 Jahre
Stadt, Burg und Pflegeamt Pottenstein

Wegweiser in das Jahr:  1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 

Am 09. September 918 zu Forchheim beauftragt König Konrad I. den Eichstätter Bischof Oudalfridus gegen einfallende Slawen eine Reihe von Burgen zu errichten. Demnach dürfte die Burg Pottenstein im 10. Jahrhundert erbaut worden und Königsgut sein. In gleich früher Zeit sind die Anfänge des Städtchens zu suchen. Der Pottensteiner Talkessel, mit dem Fluss Püttlach und den zufließenden Bächen Haselbrunn und Weihersbach, ist ein idealer Standort für eine Mühle, an der sich dann weitere Häuser anreihen. An die Püttlach, zwischen Quelle und Einmündung des Weihersbachs, grenzen zu jener Zeit zwei Gaue. Das rechte Ufer der Püttlach liegt im fränkischen Radenzgau. Das Gebiet links der Püttlach gehören jedoch zum bayrischen Nordgau, somit auch die Burg und die Ansiedlung im Tal.
Herbord, ein von 1145 bis 1168 im Bamberger Kloster Michelsberg lebender Mönch und Biograph, berichtet: Pottenstein wurde ehemals Albuinestein genannt.

Das Patrozinum der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Kirchenbirkig und die alte, große und gedrungene Form des Taufsteins lassen auf eine alte Taufkirche schließen, deren Entstehung um das Jahr 1000 zu vermuten ist. 1317 findet sich Kirchenbirkig im ältesten Würzburger Lehenbuch.

Im August 1003 führt König Heinrich II. einen Feldzug gegen den Schweinfurter Markgrafen Hezilo. Der König belagert Hezilos Feste in Creußen. Hezilo hat ein Lager abseits der Feste in einer Talschlucht aufgeschlagen, um von dort die Belagerten zu unterstützen. Das Lager wird von den Königlichen überfallen, und Hezilo muss flüchten, worauf sich die Feste Creußen bei freiem Abzug ergibt. Heimatforscher glauben den Ort des Überfalls im Püttlachtal bei Unterhauenstein zu finden. Neben Creußen, Ammertal und Kronach zählen Pottenstein und Tüchersfeld zu den wichtigen Besitzungen der Schweinfurter Grafen. Hezilo, der im Namen des Königs von Schweinfurt bis zum Böhmerwald und vom Frankenwald bis zur Donau zu Gericht saß, und Vasallen und Ministeriale gegen die Feinde des Königs führte, muss sich unterwerfen und verliert seine politische Macht.

1007 stiftet König Heinrich II. das Bistum Bamberg und ernennt seinen Kanzler Eberhard zum Bischof der Diözese. Die Kirche füllt das entstandene Machtvakuum aus und übernimmt damit auch die politische Macht in Ostfranken.

In den Jahre 1053 bis 1057 entsteht das Benediktinerkloster Weißenohe. Eine Urkunde aus dem Jahr 1109 des Papstes Paschalis II. nennt als Gründer des Klosters Aribo (Potos Bruder) und seine Ehefrau Willa/Williburg. Elbersberg (Albevvinesberc) und viele weitere Orte und Höfe im Nordgau gehören zum Gründungsgut.

Der bayerische Graf Poto heiratet 1056 Judith, die Erbtochter des letzten Schweinfurter Markgrafen Otto. Poto, fränkisch Botho, entstammt der führenden bayerischen Adelssippe der Aribonen und ist der jüngste Sohn des Pfalzgrafen Hartwig.
Zu Judiths Erbe gehört Besitz in Pottenstein und Tüchersfeld. Poto wird Besitzer der Burg. Die Burg und der Ort werden jetzt als Pottenstein (Botenstein) bezeichnet und der ursprüngliche Name Albuinestein kommt in Vergessenheit. Poto nennt sich um 1070 "Comes de Pottensteine" Graf von Pottenstein. In dieser Zeit wird der Burgturm aus Buckelquadern mit Randschlag erbaut.
Poto verstirbt 1104 und findet im Kloster Theres am Main seine letzte Ruhestätte. Er hat keine männlichen Nachkommen, mit ihm erlischt die Adelssippe der Aribonen. Judith und Poto haben jedoch eine Tochter. Diese Tochter Adelheid von Pottenstein heiratet 1064 Heinrich I., Graf von Limburg und Herzog von Niederlothringen und nennt sich jetzt Adelheid von Limburg. Dem Kloster Theres schenkt Poto bereits im Jahre 1094 die Mittelmaingüter seiner Gattin. Aus der Tatsache, dass sich Pottenstein nicht unter den von Bischof Otto I. dem Heiligen (1102-1139) erworbenen Burgen findet, lässt sich schließen, dass die Burg bereits zu Lebzeiten Potos ans Hochstift Bamberg gekommen ist.


Wegweiser in das Jahr:  918   1100  1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 

Von 1118 bis Ende August 1121 wird die Burg Pottenstein als beliebter Aufenthaltsort von Bischof Otto I. genannt.

Im 12. und 13. Jahrhundert wird die Burg Pottenstein von einem bischöflich-bambergischen Ministerialengeschlecht betreut, das auch seinen Namen von der Burg herleitet. Der älteste bekannte Angehörige des Geschlechtes ist Wezelo von Pottenstein um 1109. Aufgabe dieser Dienstleute ist es, Burg, Grenze und Land gegen äußere Feinde zu verteidigen und für die innere Sicherheit des Bezirks zu sorgen. Diese fürstbischöflichen Beamten führen den Titel Vogt, "Advocatus" oder "Castellanus".

In der Fehde von 1128 zwischen den Brüdern Konrad III. und Friedrich II. von Hohenstaufen gegen König Lothar von Supplinburg werden das Dorf und die Pfarrkirche ein Raub der Flammen. Die Burg Pottenstein hält genau wie die ebenfalls bekriegte Burg Niesten den Angriffen der Hohenstaufer stand.

Potos Enkelin Comitissa Adelheid von Limburg gibt durch die Hand ihres 3. Gemahls Konrad II. Graf von Dachau und Herzog von Meranien-Dalmatien laut einer letztwilligen Verfügung Güter in Kirchenthumbach, Troschenreuth, Wichsenstein und weiteren Orten für ihre Begräbnisstätte im Kloster Michaelsberg in Bamberg. Ihr Sterbetag ist der 8. Feb. 1144 oder 1145. Am 19. März 1140 verzichten beide gegen eine Zusicherung des Bamberger Bischofs Egilbert wegen des Lehens Hadelougedorf (Adelsdorf) auf jegliche Ansprüche betreffend Burg Pottenstein und Güter in Hohenmirsberg. Weiter übergibt Adelheid dem Kloster Michelsberg einen Arm des Heiligen Bartholomäus und Reliquien des seligen Papstes Calixtus.

Auf Grund eines Erlasses von Kaiser Friedrich Barbarossa am 15. Februar 1160 in Padua werden gewisse bambergische Burgen vom Lehensrecht ausgenommen. So auch die Burg Pottenstein, die darin als "de antiquo", d. h. von alters her, als bambergisch bezeichnet wird.


Wegweiser in das Jahr:  918 1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 

 Hl. Elisabeth - Kunigundenkirche
Hl. Elisabeth in der Kunigundenkirche

1227 kommt der Thüringer Landgraf Ludwig IV. als Gefolgsmann von Friedrich II. beim Kreuzzug ums Leben. Der Bamberger Bischof Ekbert bringt die 21-jährige Witwe Elisabeth auf seine Burg Pottenstein. Der Bischof und Elisabeths Mutter Gertrud ( 1213) sind Geschwister und entstammen der Familie Andechs-Meranien. Der Bischof unterstützt eine Eheverbindung von Elisabeth mit Kaiser Friedrich II., und verspricht sich davon ein besseres Verhältnis des Hauses Andechs mit dem Papst. Elisabeth ist jedoch nicht zu dieser Heirat bereit. Einige Monate lebt die im Jahre 1235 heilig gesprochene Elisabeth ( 17. November 1231) auf der Burg. In dieser Zeit darf Pottenstein ihre Mildtätigkeit erfahren.




Mitte des 13. Jahrhunderts sind in Tüchersfeld zwei Burgen belegt. Der Ort selbst dürfte in vorkarolingischer Zeit besiedelt worden sein. Um 1262 erwirbt das Hochstift Bamberg eine Burg von Friedrich von Tüchersfeld. 1269 erhält das Hochstift Bamberg die andere Burg von Herzog Ludwig von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein. Dieser Besitz stammt aus dem Nachlass der Grafen von Schweinfurt und vererbt sich über Judith, deren Enkelin Adelheid und ihrem 3. Ehemann Konrad II. Graf von Dachau an den Bayernherzog.


Wegweiser in das Jahr:  918 1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 

Stadtsiegel - 14. Jahrhundert  
Stadtsiegel - 14. Jahrhundert Die unruhigen Zeiten des Faustrechtes sowie die Grenzlage im Hochstift Bamberg gegen die Oberpfalz, Böhmen und die Gebiete der zollerschen Burggrafen mögen die Pottensteiner schon früh dazu veranlasst haben, ihren Ort, mit Zustimmung ihres Landesherren, zu befestigen. Wann Pottenstein seine Stadtrechte erhalten hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Im Urbar (=Güter- und Abgabenverzeichnis) des Hochstifts Bamberg von 1323/27 werden jedoch die Burg Pottenstein und die befestigte Stadt "Botenstein castrum et oppidum Epi(scopi)" genannt. Im Rechtsbuch von 1348 des Bischofs Friedrich von Hohenlohe sind die Bewohner Pottensteins als "cives" (=Bürger einer Stadt) bezeichnet. Auffallend ist, dass die Burg Pottenstein keine Burghüter besitzt. Schon frühzeitig bilden die Mauern der Stadt und die Burg ein gemeinsames Verteidigungssystem.

 Mühle in Tüchersfeld
Mühle in Tüchersfeld In dieser Zeit wird die Burg Pottenstein Sitz eines ausgedehnten Hochgerichtsprengels. Die Amtstätigkeit der bischöflichen Beamten wird geteilt, der Vogt übernimmt die polizeiliche und militärische Aufgabe, die richterliche Gewalt übt der Amtmann aus. Gebhard Storo wird 1348 als erster Amtmann genannt.

1323 ist die obere Burg in Tüchersfeld bereits Sitz eines bambergischen Amtes. Zur Oberen Burg gehören vier Burghuten (=Dienstleistung zur Verteidigung der Burg), die an adelige Burgmannen (Groß,Punzendorf,Trubacher) verliehen sind. Die Mühle zu Tüchersfeld gehört zum Lehen der Groß.

Die Bischöfe von Bamberg und Würzburg sowie der Burggraf von Nürnberg ziehen gegen Konrad von Schlüsselberg zu Feld. Dieser wird am 14. September 1347 auf seiner Burg Neideck von einem Pleydengeschoss tödlich getroffen. Folglich kommen große Teile des Schlüsselberger Territoriums ans Hochstift Bamberg u. a. die Städte Ebermannstadt und Waischenfeld, Burg und Ort Gößweinstein und die Dörfer Hohenmirsberg und Waidach.

Das bischöfliche Rechtsbuch von 1348 berichtet von sieben Mühlen in der Stadt. Die Mühlordnung vom 30. Oktober 1599 nennt uns an der Püttlach die Obermühle (Ziehrsmühle), die Kohl- oder Kolbmühle, die Stadtmühle, welche nach 1613 Reußenmühle heißt, die Steigmühle, die Lemders- oder Neumühle und die Hammermühle. Am Weihersbach liegt die Weihersmühle.

Ziehrsmühle
Ziehrsmühle
Kohlmühle
Kohlmühle
Stadtmühle / Reußensmühle
Reußensmühle
Steigmühle - 1910 stillgelegt und nach 1925 verfallen
Steigmühle

1123 wird erstmals eine "Muel Potensteine" urkundlich genannt.

Neumühle
Neumühle
Hammermühle
Hammermühle
Weihersmühle
Weihersmühle

Das "Böhmische Salbüchlein" von 1366/68 vermerkt im Neuböhmischen Amt Hollenberg (Besitz von Kaiser Karl IV.) eine Mühle "mül an der Pütla". 1410 kommt das Amt Hollenberg zur Oberpfalz. 1413 wird diese Mühle als "hammer zum Hawenstein" bezeichnet. 1651 ist "Undern Hauenstein" als weitere Mühle genannt. Noch 1803 gehören diese Mühlen zu Pfalzbayern und nicht zu Franken.

Mühle Oberhauenstein um 1910
Mühle Oberhauenstein um 1910

Mühle Unterhauenstein - 1970
Mühle Unterhauenstein um 1970

1372 wird die Burg Leienfels als "Lewenfels" im Besitz des Ritters Goczo de Egloffstein überliefert.

Burgruine Leienfels
Burgruine Leienfels - 2000

Burgstall Leuenstein
Burgstall Leuenstein

1397 zieht König Wenzel mit einem Aufgebot der Reichsstadt Nürnberg gegen mehrere Raubritterburgen. Die Burg Leuenstein bei Graisch wird geschliffen und darf nicht mehr aufgebaut werden. Eberhard von Egolffstein wird gefangen und nach Nürnberg gebracht.

Vor 1399 befindet sich auf der Oberen Burg in Tüchersfeld ein Kastenamt, welches nach Waischenfeld verlegt wird.


Wegweiser in das Jahr:  918 1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 
 Kirche und Schloss Kühlenfels um 1920 
Kirche und Schloss Kühlenfels um 19201410 ist der adelige Konrad Mecher mit einem befestigten Sitz (munito) in Kühlenfels bzw. Külmes belehnt.

1422 besteht die Obere Burg Tüchersfeld aus zwei Teilen, aus der bischöflichen Amtsburg (Schloss) und dem bischöflichen Lehensbesitz (Oberhaus) der Familie von Groß.

Im Januar 1430 fallen die Hussiten ins nordöstliche Franken ein. Widerstand kann kaum geleistet werden. Friedrich VI., Markgraf von Brandenburg, flieht in der Nacht vom 29. zum 30. Januar in letzter Minute aus Bayreuth. Während die Stadt Bayreuth zerstört wird, findet der Markgraf Zuflucht in Pottenstein. Der Hussiteneinfall bringt die fürchterlichsten Verwüstungen und betrifft das gesamte Land, nur feste Burgen haben sich gehalten. Einer Legende zufolge werden die Pottensteiner vom Glockengeläute der Kunigundenkirche vor den Hussiten gewarnt und können so ihr Eigentum auf die Burg retten. Die Häuser der Stadt werden in Mitleidenschaft gezogen, die Burg Pottenstein nimmt jedoch keinen Schaden. Das Oberhaus von Obertüchersfeld findet im Hussitenkrieg sein Ende, die Amtsburg entsteht jedoch wieder. Ebenso dürfte die Untere Burg Tüchersfeld der Vernichtung nicht entgangen sein. 1444 wird diese Burg erneut errichtet und Lehen der Familie von Groß. Auch die Burg Wartberg wird zerstört und wieder restauriert.

Am 30. April 1438 überträgt Bischof Anton von Rotenhan den Stressenhof an die Stadt Pottenstein und überlässt am 05. Juli 1446 den Felderstrich "das Buch" den Bürgern als Rentäcker.

1462, im Fürstenkrieg zwischen dem Herzog Ludwig von Baiern-Landshut und dem Markgrafen von Brandenburg, werden u. a. Püttlach, Haßlach, Kleebach und Mandlau in Schutt und Asche gelegt.

1492 wird das Bambergische Amt Tüchersfeld mit Pottenstein vereinigt, die Obere Burg Tüchersfeld verfällt.


Wegweiser in das Jahr:  918 1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 

Ab 1500 ist Pottenstein Sitz eines Ober- oder Pflegeamtes. Der richterliche Beamte nennt sich jetzt Pfleger oder Oberamtmann.

Am 22. Februar 1502 kauft das Hochstift Bamberg die Burg Leienfels mitsamt dem Burgstall Leuenstein. Aus den Egloffstein'schen Besitzungen wird das kleine bambergische Amt Leienfels.

1525 tritt die Reichsstadt Nürnberg zum Protestantismus über. In der Folgezeit verbreitet sich das Luthertum im Hochstift Bamberg und auch im Pflegeamt Pottenstein. Einige Jahrzehnte lang sind Pottensteiner Pfarrer dem lutherischen Glauben zugeneigt.

Im Bauernkrieg 1525 wird die Burg Pottenstein nicht abgebrannt, sondern nur besetzt und geplündert. Am 25. Mai 1525 schreiben "Bürgermeister und Rat samt der Landschaft zum Pottenstein" an die Hauptleute der Bauern in Bamberg, dass sie ihr Schloss nicht abbrechen wollen. Beim Niederbrennen oder Abbruch würde die ganze Stadt in Gefahr kommen, und sie wären dann auch schutzlos gegen Übergriffe der Markgrafen, Pfalzgrafen und der Stadt Nürnberg. Außerdem hätten die Pottensteiner und die Landbevölkerung bei Gefahr freien Zutritt zur Burg. Die Untere Burg in Tüchersfeld, die Burg in Leienfels, das Schloss in Kühlenfels und der Ansitz in Waidach werden ausgebrannt, später aber mit Ausnahme von Waidach wieder errichtet. Ein Teil des schwäbischen Bundesheeres, verstärkt durch bischöfliche und markgräfliche Truppen, beendet den Aufstand bereits Mitte Juni. Am 29. Juli 1525 beginnt Fürst Weigand in Begleitung von 6 Domherrn und 55 Rittern von Forchheim aus seinen Umzug durch die Städte und Ämter seines Landes, um Gericht zu halten und von den Untertanen den gebrochenen Eid der Treue erneuern zu lassen. Am 26. August 1525 kommt er auch nach Pottenstein. Die Untertanen der Pflegschaft Pottenstein werden verpflichtet, die bischöfliche Burg Leienfels wieder aufzubauen, und die Gößweinsteiner müssen die dortige Burg in Stand setzen. Dieses Schriftstück ist besiegelt vom Rat der Stadt Pottenstein, dem Pfleger von Pottenstein und den Amtsleuten von Gößweinstein und Leienfels.

1526 wird Pottenstein von einer Feuersbrunst heimgesucht. Spital, Rathaus und der größte Teil der Stadt versinken in Schutt und Asche.

 

 Martin Crusius
Martin Crusius

Am 19. September 1526 wird Martin Crusius als Sohn des Pottensteiner Pfarrers Martin Kraus und der Maria Magdalena Trummer geboren. Er ist 1551 Lehrer am Gymnasium in Straßburg, 1554 Rektor der lateinischen Schule in Memmingen, 1559 Professor der griechischen und lateinischen Sprache an der Uni Tübingen, 1564 bekommt er den Lehrauftrag für Rhetorik. Er liest über Sophokles, Thukydides, Homer, Aristoteles und Galen und erwirbt sich bald als Gräcist einen solchen Ruf, dass man ihm einen neuen Hörsaal bauen muss. Seine literarische Leistungen bestehen aus Arbeiten über griechische und lateinische Grammatik und Rhetorik, akademischen Gelegenheitsschriften, Ausgaben und Scholien verschiedener griechischer Schriften und einer Sammlung von Nachrichten über den Zustand der Griechen unter der türkischen Herrschaft mit dem Titel Turco-Graecia und Germano-Graecia. Sein Hauptwerk sind die Annales suevici. Sie bieten einen riesigen Materialfundus zur Geschichte Schwabens und Württembergs und werden 1733 von Johann Jacob Moser ins Deutsche übersetzt (die "Schwäbische Chronik"). Crusius wird als erster Vertreter des Philhellenismus angesehen. Er führte einen Briefwechsel mit dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel Jeremias Tranos, der als einer der ersten ökumenischen Kontakte zwischen Lutheranern und Orthodoxen gilt. Bis er am 14. Februar 1607 in Tübingen stirbt ist er Professor an der Universität Tübingen. In der Stiftskirche, in der er seine zahlreichen Predigtnachschriften verfasst, ist er begraben.

Landkarte des Georg Erlinger


 

 Landkarte des Georg Erlinger

Auf der Landkarte -Mitteleuropa- des Georg Erlinger aus dem Jahr 1530 findet sich Pottenstein. Der Haupthandelsweg von Nürnberg nach Chemnitz und Dresden führt laut Nürnberger Meilenscheibe (von 1559) durch Pottenstein. Zwischen der Hackermühle in Obertrubach und Muthmannsreuth ist der Pottensteiner Pfleger für den Geleitschutz verantwortlich.


Am 12. Mai 1552 erklärt Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Bayreuth dem Bamberger Fürstbischof Weigand von Redwitz den Krieg (Zweiter Markgrafenkrieg). Am 19. Mai tritt der Bischof vertraglich 20 seiner Ämter, darunter auch die Ämter und Vogteien der Pflege Pottenstein, an den Markgrafen ab, um das übrige Land von Raub und Plünderung freizuhalten. Am 20. Mai 1552 übergibt der Pfleger die Stadt an einen markgräflichen Hauptmann. Am 26. August 1552 erklärte Kaiser Karl V. den erzwungenen Vertrag für nichtig. Freiwillig unterwerfen sich die Leute in der Pflege Pottenstein wieder ihrem ehemaligen Herrn. Am 10. November 1552 sieht sich Kaiser Karl V. gezwungen, den Vertrag doch anzuerkennen. Daraufhin unternimmt der Markgraf im Januar 1553 abermals einen Einfall ins Hochstift. Am 18. Februar 1553 besetzen die Markgräflichen die Stadt Pottenstein. Die Burg wird jedoch verteidigt, woraufhin sich die Angreifer wieder zurückziehen.
Am 18. Mai 1553 beschießen markgräfliche Truppen die Burg Pottenstein und nehmen diese möglicherweise auch ein. Dabei gehen Schütthaus und Kapelle zu Grunde, und es wird von einem Schaden von 20.000 Gulden berichtet.
Die Wehrfähigkeit von Stadt und Burg wird wesentlich verstärkt, trotzdem hören die Raubzüge der Bayreuther nicht auf. Am 24. September 1553 wird die Vorstadt vor dem Pfistertor, Haselbrunn und Hohenmirsberg ausgeplündert und niedergebrannt. Zu dieser Zeit wird die Burg Wartberg ebenfalls zerstört, die dann auch endgültig verfällt. Im Oktober sendet der Fürstbischof weitere Truppen und Geschütze nach Pottenstein, woraufhin die Raubzüge der Markgräflichen unterbleiben (Albrecht Alcibiades stirbt am 24.01.1557 in der Verbannung).



 

 Pottenstein auf einer Urkunde um 1600
Pottenstein auf einer Urkunde um 1600 Eine Urkunde, vermutlich aus dem Jahr 1556, beschreibt den Sprengel, der das Pflegeamt Pottenstein bildet, worin der Pfleger im Namen des Fürstbischofs in Bamberg die Fraisch hat, das ist die hohe Gerichtsbarkeit, der Blutbann, die hohe Jagd und das Geleitrecht. Die Fraisch grenzt im Osten an die Markgrafschaft Bayreuth, an das Pfälzische später Bairische Amt Hollenberg, wozu Büchenbach und Körbeldorf gehören, während über Kosbrunn und Wartberg mit der Pfalz Streit herrscht, und an das markgräfliche Amt Böheimstein (Pegnitz), zu dem die Dörfer Willenberg, Neudorf und Bronn gehören. Im Süden schließt die Pflege die ritterliche Herrschaft Kühlenfels und die Ämter Leienfels und Wolfsberg ein, mit denen sie an die nürnbergischen Ämter Hiltpoltstein und Gräfenberg grenzt - im Westen mit dem Amt Gößweinstein an das Bamberger Amt Ebermannstadt, im Norden an das bischöfliche Kastenamt Waischenfeld. Die trockauischen Gütergebiete Tüchersfeld, Adlitz und Trockau gehören zum Pflegeamt.

Die Pottensteiner Zunftordnungen geben Aufschluss über die Art der ausgeübten Handwerke in Stadt und Umland: Schuster (Zunftordnung 1558 erneuert), Müller (1565), Schneider (1598), Bäcker (1599), Schreiner (1601), Weber (1603), Rotgerber (1605), Wagner und Hufschmiede (1641), Büttner (1662), Zimmerleute und Maurer (1674), Metzger (1696). Eine Brauerzunft gibt es nicht, gebraut wird vom Stadtbraumeister.



Klumpermühle und Schüttersmühle um 1900                                        
Klumpermühle und Schüttersmühle um 1900

1580 baut Lorenz v. Guttenberg die Klumpermühle, genannt "die Klemp". Im Klumpertal bzw. Weihersbachtal existieren 1520 bereits die Mittelmühle "Altenhof et molam" und die Schüttersmühle "Schüchenmuel" .

1580-81 wird auf der Oberen Burg Pottenstein ein neues Schütthaus an Stelle des alten abgebrannten errichtet.

Pottenstein liegt ab 1563 im Hauptgebiet der Gegenreformation. Am 22. Juni 1581 lässt der Bamberger Bischof Pottenstein besetzen, der evangelische Glaube kann jedoch nicht ausgerottet werden.

 Fraischstein von 1607
Fraischstein von 1607

1594 wird das Bambergische Amt Leienfels mit Pottenstein vereinigt, nachdem das Amt bereits seit 1567 vom Pottensteiner Pfleger mitverwaltet wird.


Wegweiser in das Jahr:  918 1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 

1602-1607-1687 gibt es Grenzstreitigkeiten an der Fraischgrenze des Pflegeamtes Pottenstein im Löschental zwischen Waidach und Bronn, wo bambergische, nürnbergische und markgräfliche Herrschaften zusammenstoßen. Laut "silbernem Vertrag" der Reichsstadt Nürnberg mit dem Fürstentum Bamberg vom 22. Februar 1607 wird die gemeinsame Grenze zwischen dem Löschental und Obertrubach durch 25 Fraischsteine gekennzeichnet. Die Grenze zur Markgrafschaft Bayreuth hingegen ist noch lange umstritten. Am 19. Juli 1687 lässt der Pottensteiner Pfleger einen von den Markgräflichen gesetzten Grenzstein ausgraben und nach Pottenstein schaffen.

1622 verliert das Bambergische Amt Wartberg seine Eigenständigkeit und kommt zu Pottenstein.

1618-1648 Dreißigjähriger Krieg
1622 kommt die Kriegsfurie ins Frankenland. Das Fürstentum wird in Verteidigungszustand versetzt, und die wehrfähigen Männer werden zu den Waffen gerufen: in der Pflege Pottenstein mit Leienfels 310 Mann, weiter je 150 Mann aus den Ämtern Waischenfeld und Gößweinstein. Es beginnen fortwährende Truppendurchzüge, Einquartierungen und Kriegskontributionen, an denen Pottenstein Jahrzehnte zu leiden hat. Die Bevölkerung hat Steuerlasten zu tragen, Brot, Viehfutter und Mehl an die Truppen abzuliefern sowie Überfälle, Brandschatzungen, Plünderungen und Misshandlungen zu erdulden.

Im Juli 1630 wird die Pest in die Stadt eingeschleppt. Innerhalb von vier Monaten rafft die Seuche 83 Bewohner hinweg.

Im Dezember 1632 erobern die Pottensteiner mit ihrem Kriegs- und Landvolk Betzenstein und töten etliche Bürger, plündern und stecken viele Gebäude in Brand. Im März 1634 wird die auf schwedischer Seite stehende Birkenfeld'sche Armee beim Durchmarsch von Forchheimer und Pottensteiner Besatzung überfallen. In dieser Zeit ist wohl die "Legende vom Schmied zu Pottenstein" entstanden. In nebliger Winternacht, so erzählt dieselbe, treten mutige Bürger, allen voran der riesige Schmied, mit glühenden Waffen den Schwedischen entgegen. Diese ergreifen vor den rußigen Gestalten die Flucht, und die Pottensteiner erobern die schwedische Fahne.

Topographia Franconiae von M. Merian 1648
Beschreibung des Frankenlandes von Matth. Merian 1648 1636 liegen Burg und Rittergut Tüchersfeld in Trümmern, auch das Schloss in Kühlenfels bleibt bis 1669 unbewohnbar.

1637 kommt das Gößweinsteiner Amt zur Pflege Pottenstein.

1679 wird das Vogteihaus der unteren Burg Pottenstein neu gebaut.

1687-94 erbauen der Bamberger Maurermeister Johann Finckel und der Zimmermeister Peter Heinlein aus Ebermannstadt die Kunigundenkirche neu. Altäre und Kanzel (nicht mehr vorhanden) schafft Bernhard Häußler. Bereits 1409 ist eine Kunigundenkapelle und Albert Lügner als erster "Kunigundenherr" genannt.

1690 lässt sich in Pottenstein der Schweizer Bildhauer und Maler Bernhard Friedrich Häußler nieder und fertigt Hochaltäre in Ludwigschorgast und Herzogenaurach. In dieser Werkstatt arbeitet auch der aus Oberhessen stammende Maler und Bildhauer Johann Konrad Schleunig (1667-1739) und schafft u.a. den Altar in der Bartholomäuskirche in Pegnitz.


Wegweiser in das Jahr:  918 1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 

Pfarrkirche St. Martin Hohenmirsberg 
Pfarrkirche St. Martin Hohenmirsberg 1703-04, während des Spanischen Erbfolgekrieges, wird in die Burg Pottenstein eine Garnison gelegt und bleibt bis 1712 mit Soldaten besetzt.

1720-22 entsteht die Pfarrkirche St. Martin in Hohenmirsberg. Der Turm stammt aus der Zeit der Errichtung der Pfarrei im Jahre 1472.

1731 werden die Vogteien Gößweinstein und Pottenstein vereinigt, und als erste Amtsperson zieht der Vogt von der Burg Pottenstein herunter in die Stadt. 1770 werden die Vogteien wieder getrennt.

1733 hat das Pflegeamt mehrfach unter Truppendurchzügen bitter zu leiden.

Am 01. September 1736 bricht in der Stadt ein Feuer aus. 65 Gebäude, darunter die Stadtpfarrkirche, der Pfarrhof, das Schul- und Kirchnerhaus und das Rathaus, werden vernichtet.

Kirche St. Matthäus in Kühlenfels 
Kirche St. Matthäus in Kühlenfels Im Mai 1738 herrscht in Kirchenbirkig und Weidenloh eine ansteckende Seuche.

1739 brennt ein Großteil von Kirchenbirkig nieder. Schon 1737 fiel das Schulhaus einem Feuer zum Opfer.

1747-48 baut die Familie v. Guttenberg in Kühlenfels die Kirche St. Matthäus neu an den Chorturm aus dem 14. Jahrhundert an.

1748-49 wird das Vogteihaus umgebaut und als Oberamtswohnung bezeichnet. 1750 zieht der Oberamtmann von der Oberen Burg herunter in diese Stadtwohnung. Die Burg Pottenstein wird als Amtsgebäude aufgegeben und als Getreideschüttboden verwendet.

Bürgerspital Pottenstein  
Bürgerspital Pottenstein - 2000 1750-55 wird nach Planung der Meister Küchel und Schwesinger der Bau des stiftungseigenen Elisabethenhospitals erneuert. Die Stiftung des Bürgerspitals geht zurück ins 13. Jahrhundert und ist reich dotiert. Zweck der Stiftung ist es, arme und notleidende Bürger unentgeltlich zu unterhalten. 1983 ändert dann der Stadtrat den Stiftungszweck, und das Spitalgebäude wird als Kindergarten genutzt.

Am 28.6.1751 wird in Pottenstein der Historien- und Bildnismaler Sebastian Förtsch geboren (gest. 22.8.1803).

Im Siebenjährigen Krieg (1756-63) zwischen Friedrich dem Großen und Maria Theresia fallen besonders in den Jahren 1756 und `59 preußische Truppen ins Pflegeamt ein und machen reiche Beute.

1762 entsteht auf den Ruinen der Burg Tüchersfeld eine jüdische Ansiedlung, der Judenhof.

1775-77 errichtet der Pottensteiner Maurermeister Ulrich Förtsch den dritter Neubau der Kunigundenkirche an dieser Stelle. Am 27.08.1780 wird die Kirche durch Weihbischof Johann Beer eingeweiht und gehört dem Bürgersspital.

Kunigundenkirche Pottenstein
Kunigundenkirche Pottenstein - 2000

Kupferstich Pottenstein 1783 Kupferstich Pottenstein 1783

Ab 1796 ziehen durch unsere Gegend des Öfteren französische Truppen. Soldaten von General Jourdan lagern im August in Pottenstein und müssen von der Stadt bewirtet werden. Nach der Niederlage der Franzosen am 24. August bei Amberg kehren diese in wilder Flucht durchs Pflegeamt zurück und ziehen sich nach einer weiteren Niederlage am 03. Sept. bei Würzburg an den Rhein zurück.

1798 erhält der Turm der zweischiffigen Pfarrkirche St. Bartholomäus in Pottenstein einen Kuppelhelm und damit sein endgültiges Aussehen. Der untere Teile des Turms stammt aus dem Jahr 1127. Das Mauerwerk von Langhaus und Chor ist im Wesentlichen von 1250-1493 entstanden.

Ölgemälde von Seb. Förtsch 1802 Ölgemälde von Seb. Förtsch 1802

Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus

Wegweiser in das Jahr:  918 1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 
1800 ist das Fürstentum Bamberg wechselweise von französischen, kaiserlichen und preußischen Truppen besetzt. Durch den Separatvertrag vom 24. Mai 1802 mit Frankreich fällt das Fürstbistum Bamberg an Baiern. Am 01. September 1802 überschreiten Bairische Truppen die Landesgrenze. Bischof Christoph Franz von Buseck legt am 29. November 1802 die weltliche Regierungsgewalt nieder. Im Reichsdeputationshauptausschuss 1803 kommt das Gebiet des Fürstentums Bamberg endgültig an das Kurfürstentum Baiern, das 1806 zum Königreich Bayern erhoben wird. 1808 wird aus dem Bamberger Pflegeamt das Königlich-Bayerische Landgericht Pottenstein im Pegnitzkreis. Zum Gerichtsbezirk gehören die Gebiete der ehemals Bamberger Ämter Pottenstein, Leienfels, Wartberg, Tüchersfeld, Wolfsberg und Gößweinstein, weiter Betzenstein und Stierberg (seit 1504 Reichsstadt Nürnberg) und Hollenberg (seit 1363 pfälzisch bzw. 1628 kurbaierisch).

Vom 5.bis 9. Oktober 1806 wird der Raum Bayreuth-Nürnberg zum Aufmarschgebiet der gegen Preußen (Jena und Auerstädt) gesammelten napoleonischen Heeresteile.

23. September 1810 - Maximilian Graf von Montgelas ordnet, nachdem auch das Gebiet der ehemaligen Markgrafschaft Bayreuth zu Bayern kommt, die Kreise neu. Das alte Landgericht Pottenstein gehört jetzt zum neu geschaffenen Mainkreis, ab 1817 zum Obermainkreis aus dem 1837 Oberfranken wird.

1812 wird unsere Gegend erstmals als "Fränkische Schweiz" bezeichnet. Bereits 1774 berichtete der Pfarrer Johann Friedrich Espen über Höhlen im Land auf dem Gebürg und lockte damit die ersten Gäste an. Der Beginn des Fremdenverkehrs ist hier zu finden.

1816 wird die Fronveste (=Gefängnis) des Landgerichts aus den Steinen des ehemaligen Bergfrieds (=Burgturm) erbaut. Die frühere Fronveste war im Centknechtshaus über dem unteren Stadttor.

Pfarrkirche St. Jacobus in Elbersberg 
Pfarrkirche St. Jacobus in Elbersberg

1833 wird die Pfarrkirche St. Jacobus in Elbersberg an Stelle einer schon 1308 vorhandenen Kirche erbaut. Die Pfarrei Elbersberg wurde bereits 1359 gestiftet.

Am 01. Mai 1840 eröffnet die Sparkasse Pottenstein ihren Geschäftsbetrieb. Die dem Königl. Landgericht Pottenstein unterstellten 44 Gemeinden übernehmen die Haftung.

1848 werden die Patrimonialgerichte der Grund- bzw. Gutsbesitzer Freiherrn Seefried v. Adlitz, Groß v. Trockau, und v. Guttenberg zu Kühlenfels aufgelöst und mit dem Landgericht Pottenstein vereinigt.

 Gretchenruh und Schützenhaus
Gretchenruh und Schützenhhaus

Am 18. März 1862 erfolgt durch eine Verordnung die Trennung von Justiz und Verwaltung. Auf dem Gebiet der Landgerichte Pottenstein und Pegnitz wird das Bezirksamt Pegnitz-Pottenstein mit Sitz in Pegnitz geschaffen.

Am 08. September 1863 konstituiert sich auf Grund der Bayerischen Schützenordnung vom 21.07.1796 die Schützengesellschaft Pottenstein unter Leitung von Notar Hoffmeister. Zum 1. Schützenmeister wird am 25.09.1863 der königliche Gerichtsschreiber Kern gewählt. Bereits 1552 werden Hackenschützen aus der Bürgerschaft als Verstärkung der Burgbesatzung genannt. 1522 und 1550 gibt der Fürstbischof in Bamberg den Schützen eine Schützenordnung und das Schützenwesen wird in den Stadtrechten verankert.

Im Bruderkrieg 1866 zwischen Preußen und Bayern lagern preußische Truppen nach dem Gefecht vom 28. bis 29.07. bei Seybothenreuth auf den Höhen bei Pottenstein und ziehen durch die Stadt. Die Truppenmassen (10.000 Mann) im Bezirksamt, insbesondere in den Städten Pottenstein und Pegnitz, haben alle Lebensmittel für Mensch und Tier vollständig absorbiert. Am 30. bis 31. 7. finden in Gräfenberg Friedensverhandlungen statt.

1867 wird die Straße durch das Untere Püttlachtal nach Tüchersfeld fertiggestellt.

Am 10. Juli 1868 kommt in Pottenstein Johann Baptist Reus zur Welt, der als Verkünder der katholischen Glaubenslehre und als Seelsorger in Brasilien Bedeutendes leistet und am 21. Juli 1947 im Ruf der Heiligkeit stirbt.

Am 19. Juli 1868 gründet sich die freiwillige Feuerwehr Pottenstein und wird in die Grundliste des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes eingetragen.

Straße durch das Untere Püttlachtal um 1880
Straße durch das Untere Püttlachtal um 1880
Kriegerdenkmal
Kriegerdenkmal

1870-71 ziehen viele Männer aus unserer Heimat in den Deutsch-Französischen Krieg. Am 13. August 1905 wird am Marktplatz ein Kriegerdenkmal eingeweiht, welches 1948 wieder entfernt wird.

Am 16. Oktober 1875 zieht das Rentamt ins neugebaute Haus (heutiges Rathaus) in Pottenstein ein.

Am 15. Juli 1877 fährt die erste Eisenbahn von Nürnberg via Pegnitz nach Bayreuth. Noch 1901 bemüht man sich in Pottenstein um eine Zweigbahn von Forchheim über Pottenstein und Bronn nach Pegnitz.

1878 erwirbt der Apotheker Dr. Kleemann aus Nürnberg die Burg Pottenstein und restauriert die Reste der einst so stolzen Burg für die Nachwelt.

Am 18. Januar 1888 wird in Pottenstein Dr. Michael Horlacher geboren (gest. 12.10.1957). Er ist u. a. Direktor der Bayerischen Landesbauernkammer (1920-1933), Mitglied des Deutschen Reichstages (1924-1933), 1933 in Haft, 1944 im KZ Dachau, Direktor des Bayer. Raiffeisen-Verbandes, Präsident der verfassungsgebenden Landesversammlung, Mitglied des Bayer. Landtags (1919-1925 und 1946-1950), Präsident des Bayer. Landtages (1946-1950), Mitglied des Deutschen Bundestags (1949-1957).

1893 entsteht eine Wasserleitung, die in Pottenstein sechs Brunnen mit Wasser der Aschenbrunnenquelle speist.


Wegweiser in das Jahr:  918 1000  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 
Pottenstein um 1900
Pottenstein um 1900

Tüchersfeld um 1900
Tüchersfeld um 1900

Ab 1904 verlegt Georg Henkelmann in Pottenstein eine regionale Tageszeitung, das "Pottenstein=Gössweinsteiner Tagblatt".


1906 errichtet Heinrich Eichenmüller ein Elektrizitätswerk und versorgt Pottenstein mit Strom. 1907 wird in der Stadt eine Straßenbeleuchtung installiert. Bereits 1904 baut der Müller Siebenhaar in Tüchersfeld eine Stromversorgung auf.

1906 errichtet der Distrikt ein neues Krankenhaus.

Am 04. und 05. Februar 1909 versinkt Pottenstein in einem Jahrhunderthochwasser.

Hochwasser in der Nürnberger Straße
Hochwasser in der Nürnberger Strasse
Turnverein vor dem Gasthof Goldener Anker Turnverein vor dem Gasthof Goldener Anker

Am 04. Dezember 1909 gründen 31 Männer im Gasthof "Goldener Anker" den Turnverein Pottenstein. Zum 1. Vorsitzenden wird Amtsrichter Hatterner und zum Turnwart Kaufmann Josef Deinzer bestimmt.

1918 kauft die Familie v. Wintzingerode die Burg Pottenstein. Der Stammsitz der Familie v. Wintzingerode ist von 1337 bis 1945 die Burg Bodenstein im Eichsfeld.

Im 1. Weltkrieg, 1914-1918, wird unsere Heimat nicht durch direkte Kampfhandlungen berührt. Gedenktafeln in den Kirchen und auf den Friedhöfen berichten jedoch vom Tod vieler Menschen. Am 21. August 1917 fällt im Luftkampf über St. Julien in Frankreich der zum berühmten Richthofen-Geschwader gehörende Kampfflieger Eduard Dostler, Ritter des Ordens Pour le Mérite, Staffelführer der Jasta 6, geb. 03. Februar 1892 in Pottenstein.

Pottenstein um 1920
Pottenstein um 1920

Ab 1922 wird durch den Geologen Prof. Dr. Hans Brand die Teufelshöhle mit ihren Tropfsteingebilden erschlossen und am 05. August 1923 eröffnet.

Teufelshöhle um 1930
Teufelshöhle um 1930

Pfingsten 1926 eröffnet das Felsenschwimmbad mit einem 1300 qm großen Becken und einer in den 70 Meter hohen Finkenstein integrierten Sprunganlage (4, 7 und 10 Meter).

Felsenbad 1926
Felsenbad 1926

1927 fusionieren die Städt. Sparkasse Pegnitz und die Bezirkssparkasse Pottenstein zur Stadt- und Bezirkssparkasse Pegnitz-Pottenstein.

Im Juli 1927 wird die Jugendherberge im Totental (Mariental) eingeweiht. 1980 ersetzt das Jugendherbergswerk dieses Gebäude durch ein neues am Vockenstein.

1928 wird die Wasserversorgung modernisiert. Es entsteht ein mit Wasserkraft angetriebenes Pumpwerk im Oberen Püttlachtal und ein Hochbehälter am Burgberg.

Am 22. Juli 1928 wird, zum Gedenken des Aufenthalts der Hl. Elisabeth vor 700 Jahren auf der Burg, der vom Pottensteiner Bildhauer Niklas geschaffene achteckige Marktbrunnen eingeweiht.

Am 05. Oktober 1930 eröffnet in Behringersmühle die Endstation der Wiesenttalbahn. Am 25.05.1891 bereits erreichte die Eisenbahnlinie Ebermannstadt, 1922 Muggendorf und 1927 Gößweinstein/Sachsenmühle.

1932 wird das Finanzamt - vormals Rentamt - Pottenstein aufgelöst.

Einweihung des Marktbrunnens 1928
Einweihung des Marktbrunnens 1928
Ansichtskarte vom Finanzamt
Finanzamt
Pfarrkirche Johannes der Täufer in Kirchenbirkig
Pfarrkirche Johannes der Täufer in Kirchenbirkig

1935-36 wird der 171 km lange Abschnitt von Nürnberg zur Saalebrücke der Reichsautobahn Nürnberg - Berlin gebaut.

1936-37 bekommt die Pfarrkirche Johannes der Täufer in Kirchenbirkig einen großen Anbau. Chor und Altarraum sind jedoch aus dem 15. Jahrhundert.

1939-45 sind Pottensteiner Bürger auf annähernd allen Kriegsschauplätzen des 2. Weltkriegs im Einsatz und verlieren dabei in der Fremde ihr Leben. Die Gedenkstätten auf den Friedhöfen und in den Kirchen künden von 296 Gefallenen oder Vermißten.

Karstwehrlager am Bernitz
Karstwehrlager am Bernitz
 KZ-Außenstelle 
KZ-Außenstelle

Ab Oktober 1942 bis Mai 1945 ist das SS-Waffen-Gebirgs(Karstwehr)-Bataillon in Pottenstein stationiert. Zirka 1000 Karstpioniere, Karstjäger und Führungskräfte in vier Kompanien gehören Ende Dezember 1943 zu dieser Elitetruppe. Ab August 1943 ist die Karstwehr im italienisch-slowenischen Grenzraum in der Operationszone Adrianisches Küstenland gegen Partisanen im Einsatz. Ab August 1944 wird die Einheit vergrößert zur 24. Waffen-Gebirgs (Karstwehr)-Division der SS. Das Ausbildungslager am Bernitz besteht aus einem Exerzier-und Sportplatz und 28 Gebäuden wie z. B. Mannschaftsbaracken (42,5 x 12,5 Meter), Ställe für Pferde bzw. Tragtiere und Hallen für Fahrzeuge. Rund um Pottenstein sind 16 Schießbahnen für den "Karstübungskampf mit allen Waffen" ausgewiesen. Als Wasserübungsplatz entsteht der Schöngrundsee, gebaut von Häftlingen des Konzentrationslagers Flossenbürg. In einer Scheune im Löhrgäßchen befindet sich die Außenstelle (Arbeitslager) des KZ.


Am 16. April 1945 besetzen, nachdem am Tag zuvor die SS-Truppen abgezogen waren, amerikanische Panzer den Ort. Am 09. Mai ist der 2. Weltkrieg für Deutschland zu Ende. Vertriebene aus dem Sudetenland und Flüchtlinge u. a. aus Schlesien finden in Pottenstein eine neue Heimat.

1945 treffen sich in Pottenstein die Kriegsflüchtlinge Karl Klubert und Alfred Schmidt - zwei Betriebsingenieure der Junkers Flug- und Motorenwerke - und beginnen mit der Fertigung von Holzspielwaren. 1948 stellt das Unternehmen auf Metallverarbeitung um. 1954 beschäftigt die Firma bereits 76 Personen und produziert Motorbremsen und Kraftfahrzeugteile.

Im Februar 1950 erwirbt die Stadt vom Vermessungsamt (1943 aufgelöst) das ehem. Finanzamtsgebäude und nutzt es als Rathaus (Einweihung am 01.10.1950). Das alte Rathaus diente nebenher auch als Schulgebäudes, nun ist genügend Platz für weitere Klassenräume. In der Hollergasse unterhält die Gemeinde Haßlach ein eigenes Schulhaus.

1951 entstehen das kath. Kirchlein St. Laurentius in Püttlach und die kath. Filialkirchen Herz Jesu in Tüchersfeld. Die Tüchersfelder Margarethenkapelle aus dem Jahr 1736 ist bereits verfallen.

Kirchlein St. Laurentius in Püttlach
Filialkirchen St. Laurentius in Püttlach
Herz Jesu in Tüchersfeld
Herz Jesu in Tüchersfeld

1951 erwirbt die Landesversicherungsanstalt das Krankenhaus und nutzt das Gebäude als Erholungsheim.

1958 entlastet der Neubau einer Umgehungsstrasse, die B 470, den Kreuzungsbereich am Rathaus.

1958-59 wird in Pottenstein die evangelische Johanneskirche erbaut.

Evangelische Johanneskirche
Johanneskirche
Amtsgericht - 1977 abgerissen
Amtsgericht

Am 31. Mai 1960 schließt das Register des Amtsgerichts Pottenstein. Der Gerichtsbezirk mit den Gemeinden Stadt Pottenstein, Stadt Betzenstein, Obertrubach, Kleingesee, Stierberg, Markt Gößweinstein, Tüchersfeld, Wichsenstein, Biberbach, Körzendorf, Leutzdorf, Haßlach, Stadelhofen, Kirchenbirkig, Markt Trockau, Hohenmirsberg, Wolfsberg, Hannberg, Elbersberg, Markt Büchenbach, Kirchahorn, Kühlenfels, Volsbach, Körbeldorf, Regenthal, Behringersmühle, Rabeneck, Oberailsfeld, Geschwand, Leienfels, Ottenberg, Moggast, Unterailsfeld, Morschreuth, Leups, Adlitz, Püttlach, Reizendorf, Freiahorn, Leupoldstein, Christanz, Poppendorf , Langenloh und Vorderkleebach kommt zum Amtsgericht Pegnitz. Hiermit endet in Pottenstein eine Justiztradition welche bis ins 11. Jahrhundert zurück reicht.

Am 20. November 1961 wird, im Zuge der Neuorganisation der Bayer. Landpolizei, die Polizeistation in Pottenstein aufgelöst.

1969 gehen in der Kernstadt ein Abwasserkanalsystem und im Unteren Püttlachtal, um die organischen Schmutzfrachten aus den Abwässern zu eliminieren, eine mechanisch-biologische Kläranlage in Betrieb. Nach der Eingemeindung werden dann Kirchenbirkig, Weidenloh, Regenthal, Waidach und Kühlenfels und 1997 Hohenmirsberg, Prüllsbirkig und Mandlau an diese Kläranlage angeschlossen. 2001 sollen auch die Abwässer aus Elbersberg und Wannberg eingeleitet werde.

1972 wird das ehemalige Distriktkrankenhaus und spätere Erholungsheim der Landesversicherungsanstalt zu einem Kurhaus mit Bäderabteilung umgebaut und mit einem neuen Hallenbad komplettiert.

1972-78 werden in die Stadt Pottenstein die Orte Altenhof, Arnleiten, Elbersberg, Geusmanns, Graisch, Haselbrunn, Haßlach, Hohenmirsberg, Kirchenbirkig, Kleinkirchenbirkig, Kleinlesau, Kühlenfels, Leienfels, Mandlau, Mittelmühle, Neugeusmanns, Prüllsbirkig, Püttlach, Pullendorf, Rackersberg, Regenthal, Rupprechtshöhe, Schüttersmühle, Siegmannsbrunn, Soranger, Steifling, Trägweis, Tüchersfeld, Vorderkleebach, Waidach, Wannberg, Weidenhüll bei Elbersberg, Weidenhüll bei Leienfels, Weidenloh und Weidmannsgesees eingemeindet. Die Stadt Pottenstein kommt zum Landkreis Bayreuth, der aus dem Landkreisen Bayreuth, Pegnitz und fünf weiteren Landkreisteilen neu geformt wird.

Fränkische Schweiz-Museum
Fränkische Schweiz-Museum
Bürgerhaus
Bürgerhaus

1985 öffnet das Fränkische Schweiz-Museum in den restaurierten Räumen des Judenhofes in Tüchersfeld.

Mit dem Umbau (Einweihung am 13.10.1989) des alten Rathauses zum Bürgerhaus steht für Veranstaltungen ein moderner Saal zur Verfügung. Bis in die 60er-Jahre nutzte die Bevölkerung die 1944 als Lehr- und Vortragsbaracke der Waffen-SS gebaute Schlossberghalle.

1995 unterzeichnen die Stadt Pottenstein und die niederösterreichische Marktgemeinde Pottenstein an der Triesting einen Partnerschaftsvertrag um beide Orte durch intensive Kontakte zu verbinden. Die Partnergemeinden haben gemeinsame historische Wurzeln. Pfalzgraf Botho von Kärnten dürfte bis zu seiner Hochzeit im Jahre 1057 der Herr von Pottenstein N.Ö. gewesen sein. Ehefrau Judith, die Tochter des Schweinfurter Markgrafen, brachte als Erbe u. a. Pottenstein/Ofr. und Tüchersfeld mit in die Ehe, und Botho verlegte seine Tätigkeit nach Franken und überlies seinen Bruder Aribo die österreichischen Besitzungen.

Am 11.11.1995 werden das zum Erlebnisbad "Juramar" umgebaute Hallenbad und die erneuerte Bäderabteilung eingeweiht.

Im Oktober 2000 wird, nachdem im Jahr 1987 der Badebetrieb eingestellt wurde, das Becken des Felsenbades wieder mit Wasser gefüllt. Das Bad ist nach der Sanierung eine Kombination aus Schwimmbad und natürlichem Teich, Wasserpflanzen sollen die Reinigung des Wassers übernehmen. Eine besondere Attraktion soll nach Fertigstellung und geplanter Eröffnung an Pfingsten 2001 die Seebühne werden.

Juramar
Juramar
Felsenbad
Baustelle Felsenbad


Zurück in das Jahr:  918  1100 1200 1300  1400 1500 1600  1700 1800 1900 2000 

Haben Sie auch Interesse an den Seiten

Klicken Sie hier
Burg Pottenstein
mit den Sammlungen des Burgmuseums
      
Klicken Sie hier
Burgen, Schlösser, Burgruinen
und Stadtbefestigungen
Auf mittelalterlichen Spuren durch
die Fränkischen Schweiz.
      
Klicken Sie hier
Poto Graf von Pottenstein,
gab der Stadt Pottenstein seinen Namen.
Zum 900. Todestag, 1104-2004



Jürgen Wächter, 91278 Pottenstein, Forchheimer Str. 3 - - - E-Mail Adresse: reifen-waechter@pottenstein.de

Alle Rechte vorbehalten.